Theorien zur Medienwahl
Instinktiv wird bei der Auswahl von Kommunikationsangeboten vermehrt auf die neuen Medien gesetzt. Anstatt zu telefonieren, wird heute geskypt, statt des Abschicken eines Briefes, schreiben wir lieber eine E-Mail. Die Entscheidungsfindung für ein bestimmtest Medium ist uns häufig nicht bewusst, sondern ein Reflex der neuen und angepassten Gewohnheiten, die wir uns im laufe der Zeit angeeignet haben. Die nachfolgenden Theorien sollen sich aber vor allem mit den bewussten Medienwahl-Entscheidungen befassen, die aufgrund von rationalen Kalküls, sozialer Normen und oder interpersonaler Abstimmungen getroffen werden.
Rationale Medienwahl
Von einer rationalen Medienwahl wird gesprochen, wenn in einer bestimmten Situation immer das Medium gewählt wird, dass den sachlichen und sozialen Anforderungen der Kommunikationsaufgabe am besten gerecht wird (media appropriateness). Auch wenn es bei der Suche nach der Medienwahl, unter Berücksichtigung der Gratifikationssuche, um die Befriedigung bestimmter Bedürfnisse nach Information, Unterhaltung oder sozialer Interaktion geht (Blumler, 1979), erfolgt dies nach einem rationalen Kosten-Nutzen Kalkül (Döring, 2003).
Die Theorien der rationalen Medienwahl gehen davon aus, dass bei der medialen Vermittlung die interpersonale Kommunikation aus subjektiver Sicht verarmt.
Normative Medienwahl
Die Theorie der normativen Medienwahl geht davon aus, dass Medienwahlen im Alltag druch Bedienungskompetenz und soziale Normen bestimmt sind. Wenn in einem Arbeitskreis ein bestimmtes Medium als besondern nützlich angesehen wird, passt sich unsere eigene Medienbewertung-/nutzung diesen Vorgaben an (Hiltz, 1984).
Interpersonale Medienwahl
Die individuellen Medienwahlentscheidungen müssen nicht nur mit den sozialen Normen der Bezugsgruppe harmonieren, sondern vor allem, gemäß dem Modell der interpersonalen Kommunikation, auf den anderen Kommunikationspartner abgestimmt bzw. angepasst werden. Durch die Ambivalenz der verschiedenen Medinpräferenzen kann sowohl die bestimmte Medienwahl entzogen werden, aber auch eine Medienwahl aufgedrängt werden. Der Erfolg medialer Kommunikation ist insbesondere davon abhängig, wie gut die beteiligten Personen ihre jeweiligen Medienpräferenzen vereinbaren können (Döring, 2003).
Literatur:
Blumler, J.G. (1979). The role of theory in uses and gratifications studies. Communication Research, 1, 9-36.
Döring, N. (2003). Sozialpsychologie des Internet. Die Bedeutung des Internet für Kommunikationsprozesse, Identitäten, soziale Beziehungen und Gruppen. Göttingen: Hogrefe
Hiltz, S.R. (1984). Online Communities. A case Study of the Office of the future. Norwood: Ablex
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